Online-Seminar “Wie sollte CO2 bepreist werden?” vom 22.6.2020

Online-Seminar “Wie sollte CO2 bepreist werden?” vom 22.6.2020

Zusammenfassung des Online-Seminars „Wie sollte CO2 bepreist werden?“ vom 22.6.2020

Anlässlich eines Online-Seminars des CO2 Abgabe e.V. in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Schmidt, Lehrstuhlinhaber am Institut für Mikroökonomie an der FernUniversität in Hagen wurde die Frage aus Sicht der Theorie und Praxis erörtert, wie CO2 bepreist werden sollte.

Unter anderem stellte Prof. Schmidt erste, vorläufige Ergebnisse einer internationalen Expertenbefragung in Kooperation mit den Koautoren Frikk Nesje von der Universitäten Heidelberg und Oslo sowie Jun.-Prof. Dr. Moritz Drupp von der Universität Hamburg zum Thema CO2-Bepreisung vor.

Die internationale Experten-Befragung hat u.a. untersucht, ob eine (unilaterale) Bepreisung von CO2 mithilfe eines Emissionshandels oder einer CO2-Steuer eingeführt werden sollte. Auch wurde gefragt, welche Höhe der Preis im Zeitverlauf haben, und ob Wettbewerbsnachteile von Ländern mit CO2-Preisen gegenüber Ländern ohne CO2-Preis mithilfe eines steuerlichen Grenzausgleichs korrigiert werden sollten. In der Befragung favorisierten fast doppelt so viele Experten weltweit eine CO2-Steuer gegenüber einem Zertifikatehandel als umgekehrt. Im Schnitt befürworten die Expertinnen und Experten CO2-Preise von ca. 50 US-Dollar pro Tonne CO2 im Jahr 2020 und zirka 90 Dollar im Jahr 2030. Die Preisempfehlungen variieren jedoch sehr stark, mit zum Teil sehr hohen Preisen. So empfehlen einige Experten Preise von mehreren Hundert Dollar pro Tonne CO2. Zum Vergleich: In Deutschland soll ab dem Jahr 2021 ein Brennstoffemissionshandel (BEHG) für Heizen und Verkehr gelten, der mit 25 Euro je Tonne CO2 startet und bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro ansteigen soll. Auch spricht sich eine deutliche Mehrheit der Expertinnen und Experten für die Einführung eines steuerlichen Grenzausgleichs für CO2 aus, um die heimische Wirtschaft bei unilateraler CO2-Bepreisung vor unfairen Wettbewerbsnachteilen zu schützen.

Anschließend erläuterte Jörg Lange wie sich der europäische Emissionshandel entwickelt hat und welche CO2-Preise bei Wärme und Verkehr mit dem Festpreis-Emissionshandel geplant sind, der nach Aussagen verschiedener Gutachten (Klinski 2019, Stiftung Umweltenergierecht 2019, IKEM 2019, Wernsmann 2020) droht, verfassungswidrig zu sein.

Laut Lange kommt es darauf an, faire Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen durch Abstimmung wesentlicher nationaler und europäischer Instrumente, wie Bundesemissionshandelsgesetz, Erneuerbaren Energien Gesetz, Energiesteuern, Ausnahmen, Kohleausstieg sowie Vorteilabschöpfungsabgabe (EU-ETS, Kostenfreien Zuteilungen, Marktstabilitätsreserve und Strompreiskompensation) zu gewährleisten.

Dazu wären die Weiterentwicklung der Marktstabilitätsreserve in eine wirksame Preisstabilitätsreserve mit planungssicheren CO2-Mindestpreisen neben der von der EU-Kommission mit dem Green Deal geplanten Unterstützung der Industrie bei der Dekarbonisierung durch einen Grenzausgleich, eine Konsumabgabe oder sogenannter „Carbon Contract of Difference“ Schritte in die richtige Richtung.

Die Veranstaltung erfolgte als Online-Konferenz und die Impulsvorträge der Referenten wurden aufgezeichnet.

Präsentationen zum Download
Teil 1 Effektiver Klimaschutz – “Es könnte (und sollte) doch so einfach sein!!!”
Teil 2 Vorläufige Ergebnisse aus einer internationalen Expertenbefragung
Prof. Dr. Robert Schmidt (Lehrstuhl für Mikroökonomik an der FernUniversität Hagen)

Teil 3 (Mögliche) Entwicklungen im europäischen Emissionshandel und Brennstoffemissionshandelsgesetz
Dr. Jörg Lange, Geschäftsführender Vorstand des CO2 Abgabe e.V.

Videomitschnitte der Vorträge

Teil 1 Effektiver Klimaschutz – “Es könnte (und sollte) doch so einfach sein!!!”

Teil 2 Vorläufige Ergebnisse aus einer internationalen Expertenbefragung


Prof. Dr. Robert Schmidt (Lehrstuhl für Mikroökonomik an der FernUniversität Hagen)

Teil 3 (Mögliche) Entwicklungen im europäischen Emissionshandel und Brennstoffemissionshandelsgesetz


Dr. Jörg Lange, Geschäftsführender Vorstand des CO2 Abgabe e.V.

 

Spendenaktion für German Zero gestartet

Spendenaktion für German Zero gestartet

Unser Mitglied, die Schreinerei Wittich, verdoppelt jeden Euro, den Sie bis Ende Mai 2020 spenden um einen weiteren Euro und bis zu einem maximalen Betrag von 5.000 Euro (insgesamt also 10.000 €).

So geht es…
Spenden Sie an www.germanzero.de/spenden unter dem Kennwort „Schreinerei Wittich“ und senden Sie parallel eine E-Mail an kontakt@johannes-wittich.de mit der Summe und dem Datum, an dem Sie gespendet haben.

Nachahmer*innen erwünscht
Wenn Sie selbst eine Spendenaktion wie die Schreinerei Wittich starten möchten, melden Sie sich ebenfalls gern bei uns per E-Mail an info@co2abgabe.de.

Warum GermanZero?
Mit der Initiative GermanZero gibt es erstmals den Versuch, aus der Bevölkerung selbst politische Mehrheiten für den nächsten Deutschen Bundestag zu mobilisieren, die ohne Wenn und Aber für Klimaschutz eintreten. Was zahlreiche Verbände in Berlin bislang nicht geschafft haben, soll in den Wahlkreisen Wirklichkeit werden. Über kommunale Klimaentscheide in möglichst vielen Städten und Gemeinden in ganz Deutschland soll der Druck auf die Wahlkreisabgeordneten und -kandidat*innen des amtierenden und des nächsten Deutschen Bundestages gesteigert werden, dass die Befürworter*innen für wirksamen Klimaschutz in der Mehrzahl sind. Niemand kann sich dann mehr wegducken.

Der CO2 Abgabe e.V. hat auf seiner letzten Mitgliederversammlung beschlossen, GermanZero fachlich zu unterstützen, insbesondere beim 1,5-Grad Gesetzespaket.

Damit GermanZero arbeiten kann, sind professionelle Kommunikationsprofis, Wissenschaftler*innen, Bürgerlobbyist*innen gefragt. Die Klimaentscheide bauen auf Gruppen vor Ort auf, die sich auch bislang dort schon aktiv für den Klimaschutz engagiert haben. Das Rad wird also nicht neu erfunden. Um schlagkräftig zu sein, braucht es bis zum Herbst 2021 aber einiges an Geld, insbesondere für das 1,5-Grad-Klimagesetz, das rechtzeitig zur Bundestagswahl 2021 vorliegen soll. Für die Erarbeitung eines juristisch wasserdichten Gesetzespakets wirbt GermanZero nun unter dem Link www.germanzero.de/spenden um Spenden. 

Daher unterstützen auch viele Prominente den Spendenaufruf von German Zero.

Machen Sie mit und schaffen Sie mit uns und German Zero politische Mehrheiten für einen Klimaschutz, der Natur und Umwelt in einem Zustand bewahrt, die diesen Planeten weiterhin lebenswert machen!
Für eine enkeltaugliche Politik!

Bundesregierung und EU-Kommission müssen CO2-Mindestpreis gemeinsam voranbringen

Medieninfo 01/2020 vom 15. Januar

Zum Besuch des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Frans Timmermans in Deutschland, erklärt Dr. Jörg Lange, geschäftsführender Vorstand des CO2 Abgabe e.V.:

Bundesregierung und EU-Kommission müssen CO2-Mindestpreis gemeinsam voranbringen

„Um den bestehenden europäischen Emissionshandel dauerhaft wirksam zu machen muss sich die Bundesregierung gemeinsam mit der europäischen Kommission für die schnellst mögliche Einführung eines CO2-Mindestpreises im bestehenden europäischen Emissionshandel einsetzen.

(mehr …)

workshop zum Easy Smart Grid am 28.11.2019 mit Stefan Werner

Am 28.11.2019 haben wir mit unserem neuen Vereinsmitglied Stefan Werner von der Easy Smart Grid GmbH anlässlich seines Besuchs in Freiburg darüber diskutiert, wie man Netzzustandsgrößen wie Frequenz oder Energiefluss, die die aktuelle Netzsituation widergeben, in Preissignale übersetzen kann, die alle Netzteilnehmer einfach empfangen, verstehen und in Aktion umsetzen können. Damit können Erzeugung und Verbrauch in unserer Stromnetzinfrastruktur besser und schneller ausgeflichen werden und Kosten für Infrastruktur und Energie einsparen.

Mit einem „Easy Smart Grid“ könnte die Energiewende auch von unten gelingen, wenn insbesondere Kommunen/Stadtwerke/Verteilnetzbetreiber bereit sind ihre Netze klimaschutzkonform zu betreiben. Grundlage dafür ist ein „Echtzeit-Markt auf physikalischer Basis“. In diesem zukünftigen „Easy Smart Grid“ wird allen Netzteilnehmern auf der Verteilnetzebene in Echtzeit (sekündlich) ein Signal (Bilanzindiaktor genannt) über das Stromnetz zur Verfügung z.B. als 100kH Signal gestellt und mit einem Preisniveau verknüpft, dass es ermöglicht Erzeugung und Verbrauch von Energie bereits im Verteilnetz netzdienlich und wirtschaftlich auszugleichen. Was das bedeuten kann hat das Demonstrationsprojekt „Solar“ am Beispiel des zukunftsfähigen Stadtwerk Haßfurt konkret simuliert. Dort stehen bereits heute bilanziell 200% Erneuerbare Energien zur Verfügung, dennoch werden noch 38% des Strom aus dem übergelagerten Netz mit durchschnittlich bis zu 4ct / kWh an Netzentgelten der übergelagerten Netzebenen bezogen. Mit der Umsetzung eines “Easy smart grid” lässt sich dieser Anteil deutlich reduzieren, erleichtert den Ausbau der Erneuerbaren und flexibler Kraftwerke vor Ort und gräbt den fossilen die finanzielle Grundlage ab und erhöht kontinuierlich den Anteil der Erneuerbaren auch bei der Wärme.
Im Rahmen des Demoprojektes wird das Konzept nun an einer Liegenschaft in Allensbach am Bodensee umgesetzt und bis Sommer 2021 begleitet.
Viele solcher kleinen „schwarmintelligenten“ Verteilnetze (ggf. ersatzweise Bilanzkreise) ermöglichen die Umsetzung des zellulären Ansatz, wie ihn der VDE vor vielen Jahren bereits formuliert hat. Die Innovation und Kunst liegt dabei in einer technisch und kostenmäßig einfachen Umsetzung („Easy“).

Den Impulsvortrag von Stefan Werner finden Sie hier.

Round Table mit MdB Felix Schreiner am 31.10.2019

Am 31.10. trafen sich Peter Ebner (Autohaus Ebner), Herr Ebi (Fa. Ebi Bedachungen), Werner Späth (Fa FAB), Markus Bartelmess (Spedition Bartelmess), Rainer Höhl (Fa. Krügle + Höhl) und Norbert Münch (Fa. Franz Simmler GmbH) mit Vorstand Jörg Lange vom CO2 Abgabe e.V. und MdB Felix Scheiner (CDU) zu einem “Round Table” um über die Auswirkungen der aktuellen Klimaschutzpolitik auf Unternehmen zu sprechen. Die Bundesregierung hat Anfang Oktober ihr Klimaschutzprogramm 2030 beschlossen. Dieses beinhaltet neben dem Einstieg in eine CO2-Bepreisung für den Verkehrs- und Wärmesektor auch ein umfangreiches Maßnahmenbündel für Industrie, Energie- und Landwirtschaft. Nach einer Begrüßung durch Herrn Schreiner stellte Jörg Lange dar, welche Jahresziele in welchen Bereichen (Sektoren) mit dem Klimaschutzgesetz festgeschrieben wurden (Abbildung 1+2) und was diese bedeutet. Für den Verkehrsbereich beispielsweise bedeuten die Ziele eine Einsparung von Diesel und Benzin bis 2030 von rund 40%. Es wurde deutlich dass die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen des Klimapakets, insbesondere ein anfänglicher CO2-Preis von 10 € pro Tonne CO2 nicht ausreichen werden, um die im Klimaschutzgesetz festgeschriebenen Jahresziele zu erreichen und daher absehbar ist, dass ab 2021 jedes Jahr nachgesteuert werden muss. Damit gibt es auch weiterhin keine Planungssicherheit für Unternehmen in Sachen Klimaschutz, so Lange. Mit 79% der energiebedingten Emissionen halten Unternehmen den zentralen Schlüssel in der Hand, um Emissonen zügig zu mindern. Dazu brauchen sie allerdings die geeigneten Rahmenbedingungen.
Norbert Münch stellte anschließend dar warum die Fa. Simmler als Mitglied die Arbeit des CO2 Abgabe e.V. schätzt und unterstützt und warum aus Sicht ein wirksamer, aber gleichzeitig technologieoffener CO2-Preis über alle Sektoren, wie ihn der CO2 Abgabe e.V. von der Politik in Berlin einfordert so wichtig als ökonomische Grundlage für die Planungssicherheit für Unternehmen ist.

In seinem Schlusswort hob Herr Schreiner unter anderem hervor, dass man mit dem anfänglichen CO2-Preisniveau natürlich nicht zufrieden sein könne, dass aber mit dem Klimaschutzpaket immerhin ein Anfang  gemacht sei, der kein Unternehmen überfordere.

Abbildung 1: Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland seit 1990

 

 

 

 

 

 

Abbildung 2: Jahresziele des Klimaschutzgesetzes nach Sektoren bis 2030